Česky Deutch

Projekt

Gegenstand des Projekts ist der Umgang mit der Geschichte und den historischen Fakten, die mit dem Ende des Zusammenlebens von Tschechen und Deutschen in den böhmischen Ländern verbunden sind. Durch das Projekt soll der jungen Generation von heute eine Möglichkeit angeboten werden, diesen weniger bekannten Teil der Geschichte ihres Landes zu entdecken. Wir möchten den Weg des Zusammenlebens der tschechischen, deutschen und jüdischen Einwohner an denjenigen Orten in Nordböhmen dokumentieren, an denen es während des Zweiten Weltkriegs oder danach zu schwerwiegenden gewaltsamen Ausschreitungen kam. Dieser Weg führte über die Besetzung des Sudentenlandes durch die Wehrmacht 1938 bis hin zur Zwangsaussiedlung der deutschen Bevölkerung nach 1945.

Unter den Orten, die auf dem Weg hin zum Scheitern des Zusammenlebens von Tschechen und Deutschen in Nordböhmen wichtige Meilensteine bilden, haben wir Postelberg, Saaz, Kaaden, Komotau und Aussig ausgewählt. Diesen Orten haben wir die Gymnasien in Louny, Kadaň, Chomutov und Ústí nad Labem zugeordnet, die sich entweder direkt vor Ort oder in der Nähe befinden.

Durch diese Verknüpfung werden die Ereignisse auch in einen breiteren Kontext gestellt, der es ermöglicht, sie besser zu verstehen. Gleichzeitig ergibt sich eine natürliche Vernetzung auf regionaler Ebene, denn alle Städte befinden sich im Kreis Ústí und sind nicht sehr weit voneinander entfernt. Es ist also möglich, dass die Schüler der verschiedenen Gymnasien zueinander in Kontakt treten und zusammenarbeiten.

Das Projekt startete mit einem gemeinsamen Seminar für die Schüler der beteiligten Gymnasien, bei dem Historiker die Schüler in die geschichtlichen Hintergründe einführten, indem sie die Tschechoslowakei in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, das Jahr 1938, die Situation im Grenzgebiet während des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegsereignisse schilderten. Außerdem beschäftigten sich die Schüler in Workshops unter anderem mit der Oral-History-Methode, mit Möglichkeiten der Interpretation historischen Bildmaterials und damit, wie überhaupt eine historische Geschichte entsteht.

In der nächsten Phase erarbeiten die einzelnen Schülergruppen an den vier Schulen unter der Anleitung von Lehrern bzw. Schulkoordinatoren Präsentationen zu den Gewaltexzessen in ihrem Gebiet. Dabei stützen sie sich auf Forschungsarbeiten zum Thema, auf authentisches Archivmaterial und auf Gespräche mit Zeitzeugen. In erster Linie wenden sie sich an tschechische Zeitzeugen, auch an solche, die in der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit noch nicht in der Region lebten. Daneben haben sie auch die Aufgabe, deutsche Zeitzeugen zu befragen. Ein interessanter Punkt des Projekts könnte nämlich die Frage nach dem historischen Gedächtnis im Bezug auf diese Ereignisse sein. In allen Projektschritten stehen den Schülern und Schulkoordinatoren die Organisatoren – Antikomplex und Collegium Bohemicum – und Historiker der Purkyně-Universität zur Seite.

Nach etwa einem Jahr soll die Arbeit der Schüler auf verschiedenen Ebenen präsentiert werden: in Form einer Ausstellung, im Rahmen von Vorlesungen und in einem Buch. Die Ausstellung sollte so professionell sein, dass sie durch den Kreis Ústí und ggf. durch die gesamte Republik wandern kann. Als eine zweite Ebene der Präsentation sind Vorlesungen mit anschließender Diskussion geplant, die in einem größtmöglichen Maße von den Schülern an anderen Gymnasien im Kreis Ústí (ggf. landesweit) durchgeführt werden sollen. Konkret könnten diese Veranstaltungen so ablaufen, dass die Gymnasiasten aus Louny, Kadaň, Chomutov und Ústí nad Labem anderen Schülern zum Beispiel anhand eines Videos und anderer Materialien in einer Art Präsentation die Ereignisse an ihrem Ort nahebringen und danach mit ihren Altersgenossen darüber eine Diskussion führen. In der letzten Projektphase soll aus den von den Schülern erstellten Materialien ein Buch entstehen, ein Führer durch wichtige tragische Erinnerungsorte des deutsch-tschechischen Zusammenlebens in der betreffenden Region.

Der Sinn des Projekts ist nicht, dass die Schüler neue historische Fakten aufdecken, auf die bis jetzt noch kein Historiker gestoßen ist. Ziel ist es, dass sie die damaligen Ereignisse frei und unmittelbar verarbeiten und diesen Blick auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir sind sicher, dass sie durch die Beschäftigung mit der Ortsgeschichte eine engere Beziehung zu ihrer Heimat entwickeln und dass dadurch auch ihre Bereitschaft steigt, sich künftig für ihre Region zu engagieren.

Das Projekt wurde im Dezember 2008 gestartet und soll im August 2010 abgeschlossen werden.